Hauskrott Deutenhausen
In Deutenhausen war einmal eine Hochzeitsgesellschaft gegen Abend sinnlos betrunken. Als mit dem Gebetläuten die Hauskrott erschien, stieß sie der Bräutigam mit dem Fuß fort, anstatt das Gebet für die armen Seelen zu beginnen. Zur Strafe dafür kam in der Nacht die Krott als Schwarzpudel, so groß wie ein Schumpen, drang in den Stall ein und biß fünf Jungrindern die Kehle durch. Der Altbauer merkte gleich, dass es die Hauskrott war, denn der gefährliche Eindringling bellte nicht, sondern muckt nur leise wie ein Krott. Der alte Mann hatte alle Mühe, sich vor dem reißenden Tier in Sicherheit zu bringen. Das ganze folgende Jahr hatte das junge Ehepaar nichts als Kummer und Sorgen. Keine Hauskrott ließ sich mehr sehen, obwohl der Mann sich alle Mühe gab, eine solche herbei zulocken. Er streute Anis, den die Kröten der Sage nach besonders lieben, er legte Würmer und Käfer in einem Löfel Honig bereit und stiftete, als gar nichts helfen wollte, einen Jahrtag für die Toten des Hauses. Als dieser das erstemal gehalten wurde, saß am Abend die Hauskrott wieder auf ihrem alten Platz.
Weitnauer
Der Hauskrott hat im Allgäu und im Außerfern eine besondere Bedeutung. Er trägt die Seelen der Verstorbenen aus dem Haus hinaus und trägt die Seelen der Kinder, die geboren werden sollen in das Haus hinein. Für den Hauskrott wurde deswegen ein freier Zugang zum Haus geschaffen. Die Beleidigung des Hauskrott durch den Bräutigam kommt deswegen einer Beleidigung der Ahnen des Hauses gleich. Erst als der Missetäter eine Seelenmesse für die Verstorbenen des Hauses stiftet, ist der Hauskrott wieder befriedet und bringt Glück in den Hof zurück.