Hochwasser Deutenhausen


In frühen Jahren hatten die Einwohner von Deutenhausen unter dem häufigen Hochwasser des Lech viel zu leiden. Bauern, denen bei solchem Anlaß ein Stück Boden durch den Fluss weggerissen wurde, versuchten bisweilen, sich landeinwärts zu entschädigen. Das führte natürlich zu Flurstreitigkeiten. Zeitweise lag sich das ganze Dorf deswegen in den Haaren.

Einmal nun ging ein Deutenhausener spät abends von Forggen heim. Wie er sich seinem Hof näherte, sieht er Männer, dies sich an einer Ackerfurche zu schaffen machen. Die beiden sprechen laut miteinander. Der Bauer, der sie für Felddiebe hält, schleicht sich vorsichtig an. Wie staunt er aber, als er in den Gestalten Dorfgenossen erkennt, die unlängst gestorben waren. Aus ihrem Gespräch glaubte der Bauer soviel zu verstehen, dass die beiden Geister auf der Deutenhauser Flur nach dem Rechten sehen wollten, weil ihre Grabesruhe durch die Händel der Nachkommen gestört war.

Die beiden armen Seelen versuchten nun, den rechtmäßigen Besitzern Furche um Furche über die Grenzsteine zuzutragen. Dabei beklagten sie bitter, dass sie selber es gewesen waren, die mit dem Laster des Markenrückens den Anfang gemacht hätten.

Der Bauer erzählte anderntags sein Erlebnis im ganzen Dorf. Wenig später waren schließlich alle Grenzmarken am rechten Platz. Wenn der lech künftighin Uferstücke mitriss oder gepflegtes Wiesen land mit Kies übergoss, so dass es auf Jahre ertraglos bleiben musste, kein Deutenhausener ließ sich je wieder dazu verleiten, durch Markenrücken den armen Seelen Unannehmlichkeiten zu bereiten.

Weitnauer

Sagen über geisternde Markrücker gibt es im Außerfern und im Allgäu häufig. Sie sind ein Beleg dadurch, wie durchlässig die Welt der Lebenden und Verstorbenen gesehen wurde. Die Deutenhausener Markrücker stiften hier für das ganze Dorf Frieden. Anstehende Probleme wie Überschwemmung und der Verlust von Boden an den Lech scheint die Dorfgemeinschaft gemeinsam gemeistert zu haben.

 
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