Das versunkene Dorf
Es heißt, südlich von Deutenhausen, zwischen dem Dornigen Bühl und dem Scherenberg sei einst ein stattliches Dorf gelegen. Durch den Tiroler Handel, die Floßfahrt auf dem Lech und die mächtigen Siberadern im Tegelberg war es steinreich geworden. Dadurch wurden die Leute stolz, hochmütig, geizig und übermütig. Und weil der Reichtum sozusagen von selber den Lech herabgeschwommen kam, hörten sie das Arbeiten auf und versuchten, ihr Leben nach dem Beispiel der reichen Welschländer einzurichten. Mit venezianischer Beleuchtungskunst wollte man in den Häusern schöneres und helleres Licht haben, als es die liebe Sonne spendet. Deswegen schloss man sie mit Tür- und Fensterladen aus und mauerte sogar die hohen Kirchenfenster zu. Dieser Frevel an Gottes hellem Tag schneint das Maß ihrer Sünden vollgemacht zu haben, denn eines Tages brauste der Lech mit vordem ungekannter Wucht durchs Tal und riß ein solches Loch in den Dornigen Bühl, dass das ganze schöne Dorf mitsamt der Kirche hineinfiel und an seiner Stelle nur eine steinige, unfruchtbare Ebene zurückblieb. Die armen Leute von Brunnen, Forggen und Deutenhausen haben heute noch viel Mühe, wenn sie hier etwas anbauen wollen.
Weitnauer
Die Sage nimmt Bezug auf den Handel und die Verbindung mit den "Welschländern". Dieser Handel hat eine uralte Tradition, denn in der Nähe wurde bei einer Ausgrabung eine Straßenstation an der Via Claudia Augusta, der Verbindungsstaße der Römer über die Alpen nach Rätien entdeckt.
Versunkene Dörfer sind oftmals ein Hinweis auf eine verlorengegangene Kultur. Vergleichbar ist eine Sage aus Kaisers im Lechtal über ein versunkenes Dorf im Almejurtal.