Der ewige Jude pflegte auf seiner Wanderschaft nur in hölzernen Häusern oder wenigstens in solchen, die mit Mörtel nur angeworfen waren, einzukehren. Stets hatte er nur einen Groschen bei sich; der ging ihm aber nie aus und erneute sich immer wieder, soviel er auch Geld ausgeben mochte. Auch nach Hinterstein ist er einmal gekommen und sogar da übernacht geblieben, wobei er, wie auch sonst überall, die ganze Nacht um den Tisch herumging. Er hatte hier eine lange dunkle Kutte an, fast wie ein Mönch, und eine alte, schmutzige Tasche umhängen. Als er wieder weiter wanderte, schlug er den Zipfelsteig ein, der zur Zipfelsalpe und dann nach Schattwald führt.

Karl Reiser

In dieser Version des ewigen Juden zeigt sich die Verbindung zu der alten Holzbauweise der einheimischen Bevölkerung. Das deutet darauf hin, dass mit "ewiger Jude" vieleicht ein Wanderlehrer der alten Religion gemeint ist, der nur bei bestimmten Leuten einkehrte. In den Sagen vom ewigen Juden ist immer genau vermerkt, wohin er weiter zieht. Dadurch werden traditionelle Verbindungswege oder Pilgerwege gekennzeichnet.

Angedeutet ist ferner ein Geldwechselzauber, der in Tiroler Sagen häufig vorkommt.

 

 
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