In Musau lebte einst der fromme Bruder Ulrich, der im Ruf der Heiligkeit stand. Als er im Sterben lag, kam ihm die Lust an, Erdbeeren zu essen. Die Umstehenden erachteten dies als unerfüllbaren Wunsch, weil Winter war und Schnee und Eis die Landschaft bedeckten. Der Bruder rügte diese Kleingläubigkeit und befahl ihnen, sie sollten auf den nächstgelegenen Berg steigen, denn dort würden sie Erdbeeren genug finden. Sie glaubten seinen Worten und suchten die bestimmte Stelle auf. Dort fanden sie mitten im Schnee viele und schöne Erdbeeren. Der Hügel, auf dem dieses Wunder geschehen ist, heißt heute noch Erdbeerbichl.
Die Krankheit verschlimmerte sich von Tag zu Tag und Ulrich verspürte, dass der Tod nahte. Er bat die Frau, bei der er wohnte, sie möchte seinen Leichnam auf einen Wagen legen, zwei junge, noch nie eingespannte Stiere daran spannen und dort, wo diese ihn hinzögen, begraben.
Nach dem Tode legte man den Leichnam auf einen Wagen und spannte zuerst zwei Ochsen davor, die schon öfters gezogen hatten. Diese konnten aber das Fuhrwerk nicht von der Stelle bringen. Nun spannte man zwei unabgerichtete Stiere an den Wagen. Diese zogen zur Verwunderung den Bruder Ulrich durch den Lech nach Pinswang zu einem Hügel. Hier blieben die Tiere wie angewurzelt stehen und waren nicht mehr von der Stelle zu bringen. Man begann ein Grab zu schaufeln. Da stieß man auf eine Steinplatte, unter der sich ein leeres Grab in Manneslänge befand. Darin wurde der Leichnam Ulrichs bestattet. Über der Stelle wurde die Kirche von Pinswang erbaut.




Die Legende des Bruder Ulrich nimmt Motive der Hl. Notburga auf, deren Attribut eine Sichel (Mondsichel?) ist.