Marchmer

Der Marchmer auf dem Lutze-Mad

Auf dem Lutze-Mad, zwischen Berwang und Bichlbach, sah man oft, selbst beim hellichten Tage ein kleines, altes Männlein umgehen, welches gottsjämmerlich schrie. Es hatte einmal zu seinen Lebzeiten die Markpfähle ausgezogen und anders eingesetzt, deshalb nannten es die Leute den "Marchmer". Da lebte nun einmal ein Kooperator in Berwang, der den Geist bannen wollte und holte sich dazu vom Pfarrer in Bichlbach ein Büchlein mit kräftigen Gebeten und Sprüchen. Doch jetzt wartete er vergeblich auf das Männlein und als es ihm schließlich verleidete, trug er das Büchlein dem Pfarrer wieder zurück. Dort hielt er sich aber länger auf, als er ursprünglich vermeint hatte und es wurde schon langsam dunkel, als er den Heimweg antrat. Da plötzlich beim Lutze-Mad vorbei spürte er etwas Schweres auf dem Rücken, das immer schwerer und schwerer wurde. Er sah nichts und hörte nichts, doch die unsichtbare Last drückte ihn immer mehr. Am Morgen fand man den Kooperator tot neben der Straße liegen. Der Marchmer hatte sich ihm aufgesetzt und ihn zu Tode gedrückt.

Metzler

Früher gab wenige Verbrechen, die schwerwiegender waren, als das Verrücken von Marksteinen. Da nicht nur auf dem Erdboden, sondern auch auf einer anderen Ebene von Wirklichkeit eine Grenze verschoben wurde, waren den Markstein-Rückern nach dem Tod harte Strafen auferlegt.

Im zweiten Teil der Sage ähnelt der Marchmer dem "Hock-Auf", einem Geist, der öfter im Allgäu vorkommt, manchmal auch in Tiergestalt, der sich auf den Rücken setzt und immer schwerer wird.